Feature-Mo< Zurück 15.03.2009

Fußball und ein wenig Weltsicht - mit Michael Ostrowski

Von Nick Gruber

Teil 2 des Feature-MOs.
Wir haben über das Projekt "The Making of FUTBOL" gesprochen und darüber, warum der Film vom ORF als 'nicht zumutbar für das Fernsehpublikum' eingeschätzt wurde. Anpfiff.

Bei dem Film ist Ton in Ton wörtlich zu nehmen!
The Making Of FUTBOL, Foto: MMK Media

Wie wird also Fußball gemacht?

Mal sehen - hab ich den Titel vielleicht falsch verstanden?
Was schreibt die Presseaussendung?

Der Drehbuchautor und Fußball-Philosoph Franzobel möchte für den ORF eine Dokumentation über das Wesen des österreichischen Fußballs drehen. Dabei will er bewusst in die Provinz, wo man noch "unverfälscht auf den Fußball blicken kann". Ihm zur Seite gestellt wird der "Medienprofi" Mike Ostrowski, der als Regisseur für die Doku fungieren soll. Er schlägt vor, in die Obersteiermark zum SV Rottenmann zu gehen, einem Verein, bei dem er vor mehr als 15 Jahren selbst Spieler war. Die Dreharbeiten gestalten sich schwierig, der unerwartete Wintereinbruch erwischt das Filmteam am falschen Fuß. Ostrowski hält sich mit Hochprozentigem bei bester Laune - doch im Team um Franzobel rumort es. Man hat so gut wie nichts Brauchbares gefilmt, alle Einfälle des Regisseurs enden im Chaos; als er dann auch noch die Kamera- und die Tonfrau anbaggert, wird eine Krisensitzung einberufen, bei der man ihn absetzen will. Doch Ostrowski bittet um eine letzte Chance...


The Making of FUTBOL
wirkt ja extrem improvisiert und spontan - wie viel an diesem Film war vorab geplant und gewollt inszeniert? Also wie dick war euer Drehbuch?

Es gab eine ziemlich klare Struktur, die wir genau eingehalten haben. Was wir aber geschafft haben, ist es die Freiräume die durch die Begegnung mit den echten Menschen entstehen, bewusst zu nutzen und in den Film einzubauen.

Du bist ja in dem Film voll in deiner Rolle als Regisseur - wie haben denn die Leute die dich als Michl kennen darauf reagiert? Haben sie geglaubt "jetzt is er scho ganz deppert geworden in der Stadt?“

Ich hab ihnen nicht zuviel erklärt – ich hab an Bart ghabt, ziemlich deppert ausgschaut. Aber es war alles net so explizit – und damit teilweise schon eine Überraschung für die Leute. Wir wollten z.B. am Platz drehen (im März), und es hat voll zum Schneien angefangen. Alle Szenen bei denen die Leute geglaubt haben, dass wir sie nur in strahlendem Sonnenschein drehen, haben wir bei ärgsten Schneestürmen durchgezogen – und es hat sich ausgezahlt. Nach dem realen Derby haben wir bei der anschließenden Feier gefilmt, und das ist dann ausgeartet. Die haben mich übelst angewassert, und an gewisse Szenen hab ich mich erst beim Schnitt wieder erinnert. Teilweise ist das Material dann sogar im Film gelandet.

"Dem Fernsehpublikum nicht zumutbar"
verantwortlicher ORF Redakteur


Wie ist die Idee enstanden?

Der Franzobel wollte irgendwas für die EM machen, Helmut Köpping und ich haben dann seine Texte aufgenommen und ein Konzept für den ORF geschrieben. Bei der Rohschnittabnahme haben die zuständigen Redakteure dann den Film abgelehnt: „dem Fernsehpublikum nicht zumutbar“ – steht auch als Zitat am Plakat.

Seit zustandswechsel bin ich mir ja auch nicht mehr so sicher ob eine ORF Ablehnung nicht als Erfolgsprädikat gewertet werden sollte…

Der ORF hätte ihn einfach ins Archiv gestellt und nie mehr gezeigt. Der Produzent, Martin Kraml von MMK Media, der war dann nervenstark, und hat auf das ORF Geld verzichtet. Er wird ihn selbst auswerten.

Wie lange haben sich die Schauspieler eigentlich drauf vorbereitet, jetzt wirklich Tonassistent oder Kameramann zu spielen. Wurden sie eingeschult oder sind sie einfach Naturtalente?

Es gab ja beides doppelt - es hat wirklichen Ton und wirkliche Kamera gegeben, und eben das Dokuteam, gespielt von Gabriala Hiti und Hilde Dalik. Deren Material wurde im Film auch immer wieder eingesetzt… die beiden arbeiten halt, und ich tu viel trinken. Die Kamerafrau haben wir auch mal ins Tor reingehängt, mit einem Seilzug von der Bergrettung. Das siehst du dann im Making Of, und auch in der Dokuebene des Films.

Zur Weltlage: Stell dir vor, du stehst in der New Yorker Wallstreet, mit einem Kameramann und einem Tonangler. Du hast eine Woche Zeit. Wo gehst du hin?

Ich geh in diese Pubs wo die Wallstreet-Bürohackler hingehen und trinken. Meistens sinds von 7 bis halb 9 drin, bevor sie am nächsten Tag um 7 Uhr aufstehen und wieder bis 7 arbeiten. Und in diesen 1,5 Stunden Freizeit die sie haben, da werd ich ihnen die letzte Ruhe stehlen und verlangen dass sie mir ihr Leben erzählen.

Kriegt man in diesen turbulenten Zeiten nicht Lust auf so richtig bedeutungsschwangere Projekte, oder lässt die Realität für Schauspieler im Moment grad wenig Aufmüpfigkeit zu?

Die Zeit fließt immer ein, ist immer da. Bei Contact High ist es eine gewisse Haltung dem Leben gegenüber – die beiden Protagonisten haben als Weltsicht eine Art von Anarchie des Humors, mit einer Ziel- und Planlosigkeit in der man trotzdem glücklich weiterexistieren kann. Ich versuch immer eine Haltung durchleuchten zu lassen, wenn ich ein Drehbuch schreibe.

Michi, woher kommt unser Geld?

Angeblich von der Notenbank, ich verstehs selber net.

Letzte Frage im Namen aller jungen Pornoaspiranten:
Müssen Darsteller Angst um ihren Penis bekommen, wenn während der Szene im Hintergrund jemand "Schnitt" oder "Cut" schreit? Kannst du hier Entwarnung geben?

Nein, keine Entwarnung. Man kann sich nie sicher sein was gemeint ist.

 

The Making of FUTBOL

Spielfilm, AT, 32 min.

Diagonale:

Mittwoch 18.03

23:00 Uhr, UCI Annenhof Saal 7

Samstag 21.03
16:00 Uhr, Schubertkino 2

Fazit

Der dreiste kleine Kinomo

Filme gehören besprochen. Kinomo! Du fängst an!